Datenjournalismus im Dezember 2014/ Januar 2015

Screenshot http://katalog.datenjournalismus.net
http://katalog.datenjournalismus.net

Rückblick: Am Ende eines Jahres schaut man ja gern mal zurück, daher gibt es einige “Best of 2014” Kollektionen, wie beispielsweise die beispiellose interaktive Jahreschronik der NZZ oder auch der Jahresrückblick von ZEIT Online. International ist der Jahresrückblick der LA Times erwähnenswert und Nathan Yau hat auch wieder seine Favourites gesammelt. Die Maps des Jahres gibt es hier.

SRF Data hat ja mit Sylke Gruhnwald,  Julian Schmidli und Timo Grossenbacher bereits ein #DDT (ja, ein Daten-Dreamteam) für sich gewinnen können. Das beweisen sie unter anderem hier.

Interactive Things sucht Leute, hier ganz speziell eine/n Interaction Engineer ab Winter 2015.

Oliver Rack, Gründer der Initiative “Open Data Rhein-Neckar”, Marco Maas und weitere Gäste einer Sendung im Rhein-Neckar Fernsehen widmen sich der Frage, welche Chancen und Herausforderungen in offenen Daten für die regionale Entwicklung stecken.

Die Stadt München hat ihr OpenData-Portal im Testbetrieb veröffentlicht. Da gibt es dann beispielsweise Datensätze über das “größte Volksfest der Welt” (Warnung: Bierpreise steigen) und vieles mehr.

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Interview mit Datenjournalist Julius Tröger

julius

Julius Tröger leitet das Interaktiv-Team bei der Berliner Morgenpost (Foto: Matthias Piket).

Was sind die wesentliche Aspekte, warum Du immer wieder datenjournalistische Formaten einsetzt?

Datenjournalismus liefert uns exklusive Geschichten. Ohne unsere eigene Datenbank hätten wir zum Beispiel nie herausgefunden, dass hunderte Flugzeuge über Berlin leer vom einen zum anderen Flughafen fliegen

Außerdem können wir mit Datenvisualisierungen komplexe Sachverhalte einfach darstellen, z.B. mit unserer Grafik zum Berliner Volksentscheid. So können wir auch Nachrichten prinzipiell auf jeden einzelnen Berliner herunterbrechen, wie etwa mit unserer Mietkarte  oder unseren Wahlkarten.

Unsere Aufgabe im Interaktiv-Team ist es einerseits, neue Geschichten abseits der üblichen Recherchequellen zu finden. z.B. in Sensordaten. Und andererseits Geschichten so zu erzählen, dass sie vor allem im Web funktionieren.

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Tutorial: 3D-Modelle von Straßen und Gegenden auf Basis von OpenStreetMap

Zu dieser Stunde haben sich zwei Männer mit mindestens einer Geisel in einer Druckerei nördöstlich von Paris verschanzt. Sie werden verdächtigt, für die Morde in und bei der Redaktion von Charlie Hebdo am 7.1.2015 verantwortlich gewesen zu sein. Ebenfalls wird eine weiteren Geiselnahme im Osten von Paris gemeldet.

Anhand dieser aktuellen Lage möchte ich zeigen, wie sich recht schnell ein 3D-Modell von solch einer Situation erstellen lässt. In diesem Fall die Umgebung der Druckerei im Industriegebiet von Dammartin-en-Goele. Bei OpenStreetMap gibt es oben in der Menüleiste den Punkt “Export” und dann die Option “Einen anderen Bereich manuell auswählen”. Anschließend exportiert man die Daten (mehr als ein paar Quadratkilometer sollten nicht genommen werden, sonst wird die Datenmenge zu groß). Tutorial: 3D-Modelle von Straßen und Gegenden auf Basis von OpenStreetMap weiterlesen

Erste Gedanken zum “Next Media Accelerator” der dpa

Die dpa hat einiges an Selbstreflexion hinter sich. So lässt die Deutsche Presse Agentur ihre “Media Innovation Managerin” Pläne für einen “Next Media Accelerator” skizzieren.

Erfreulicherweise redet Jenni Schwanenberg nicht um den heißen Brei herum. Man könne bei der Agentur zwar gut managen und seine Dienstleistung erfolgreich an die neuen Gegebenheiten anpassen.

“However we suck in creating new products in new markets (sorry for this openness).”

Und weiter:

“media industry innovation pace in Europe, especially in Germany has been slowing down. On some days it feels like being in a coma, paralyzed by news about the next fired editor in chief, the next newsroom being laid off, the next cry for regulations for new economy companies.”

Für diese ungewöhnlich ehrlichen Töne braucht Schwanenberg sich nicht zu entschuldigen. Denn sie spricht sicher einer Reihe von (Medien-)Journalisten und mir aus der Seele, die dieses seit Jahren immer wieder in allen möglichen Variationen bemängeln.

Einige Startups pro Jahr will der Accelerator aufnehmen; sie sollen “technolgy driven” sein und ihren Fokus auf “content, advertising or services related ideas” legen. Viel mehr ist dem Text nicht zu entnehmen. Außer, dass die Einrichtung in Hamburg entstehen, “when, who and how” noch nicht verraten und sie aus den üblichen Zutaten (Räumlichkeiten, Mentoren, Coaching, Zugang zu Netzwerken) bestehen wird. Wie es sich gehört, soll so eine “Community” aufgebaut werden. Zu vernehmen ist, dass es noch dieses Frühjahr losgehen soll und derzeit noch eine Leitungsperson für das Ganze gefunden werden muss. Schwanenberg wünscht sich Feedback. Hier sind meine Anmerkungen:

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Datenjournalismus im November 2014

Screenshot http://qz.com/296941/interactive-graphic-every-active-satellite-orbiting-earth/
Screenshot http://qz.com/296941/interactive-graphic-every-active-satellite-orbiting-earth/

INTERVIEWS & ARTIKEL

Gleich zu Beginn begeben wir uns mal mutig auf die Metaebene: Was ist Datenjournalismus überhaupt? Worüber reden wir hier eigentlich? Tony Hirst hatte bereits im September eine interessante Diskussion angeregt, als er eine Abgrenzung zwischen “Data Reporting” und “Data Journalism” vorschlug. Dazu gibt es übrigens hier einen interessanten Twitter-Austausch zwischen Tony, Emily Bell und Gavin Sheridan. Auch Mark Coddington bietet eine Typologie des Begriffs Datenjournalismus an. Im deutschsprachigen Raum beschäftigt sich Prof. Brosius mit der “Begriffsvielfalt rund um ‘Computational Journalism’“. Mittlerweile kommt auch noch eine weitere Dimension hinzu: Ist Journalismus per Virtual Reality auch ein Genre des Datenjournalismus?

Hach, Student/in müsste man sein – US-Universität Stanford bietet einen “Public Affairs Data Journalism”-Kurs an. Besonders interessant sind hier die Datensätze, mit denen die Studenten im Rahmen von Projekten arbeiten sollen, die empfohlenen Tutorials und die Literaturempfehlungen.

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Nachdenken über Erzählformen und Datenjournalismus in Virtual Reality

elite_planet

Seit wenigen Tagen haben wir nun eine Virtual Reality-Brille im Büro. Das erste Fazit: Die Oculus Rift als „Developer Kit“ in der zweiten Version ist definitiv noch nicht endverbrauchertauglich. Die Auflösung (1920*1080 – Full HD) ist zu niedrig – für jedes Auge steht eben nur die Hälfte der Gesamtauflösung zur Verfügung. Es ist nicht unheimlich schwierig, dass Gerät zum Laufen zu bringen; benötigt wird aber zumindest Sicherheit im Umgang mit diversen Einstellungen des eigenen Rechners. Es scheint auch so zu sein, dass man sich langsam an die Nutzung des Geräts gewöhnen muss; es beansprucht die Augen, hinterlässt nach längerer Nutzung und dem Absetzen ein leichtes Gefühl der Desorientierung.

Das Headtracking allerdings scheint die Gefahr der “Seekrankheit” deutlich zu mindern (eine Kamera erfasst die Neigung des Kopfes und erlaubt, dass man sich durch Annäherung des Kopfes ein Ding in der virtuellen Welt näher betrachten kann). Zudem ist es beeindruckend, wie schnell sich der Kopf wenden lässt, ohne ein hinterherhinkendes oder schlierendes Bild.

Was die Rift jetzt schon liefert: Eine eindrucksvolle Ahnung davon, was in ein oder zwei Jahren möglich sein könnte, wenn die Auflösung höher und die Brille leichter ist. Die Vorabversion des bald erscheinenen Spiels „Elite Dangerous“ ist dafür der derzeit wohl beste Showcase. Wer aus einer riesigen Raumstation hinausgeleitet und einen Planeten in 3D vor seinen Augen im weiten Schwarz des Weltraums hängen sieht, merkt: Diese Technologie hat durch sein Erfahrbarmachen von Räumlichkeit ein enormes Potential.

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Datenjournalismus im Oktober 2014

EarthWindMap | Screenshot von http://earth.nullschool.net/
EarthWindMap | Screenshot von http://earth.nullschool.net/

Christina Elmer erklärt Message, warum Datenjournalismus DIE Erzählform der Zukunft ist. Das Besondere:

„[…] unsere Erkenntnisse sind dabei nicht nur Beiwerke zu klassischen journalistischen Erzeugnissen wie Texten. Das Produkt des Datenjournalismus besteht vielmehr aus einem Zusammenspiel verschiedener Elemente, das es ermöglicht, eine Geschichte perfekt zu erzählen.”

Wie war das nochmal mit der Korrelation und der Kausalität? War das signifikant? Hier ein paar Fragen, die man sich als Datenjournalist eigentlich nicht mehr stellen darf … oder eben unbedingt stellen sollte? Ein weiterer Klassiker unter den Statistik-Fallen: Darstellungen verkürzter Zeiträume. Die haben wohl alle das gleiche Buch gelesen … oder hätten es eben unbedingt lesen sollen?

Schönes Beispiel dafür, warum das Schreiben über Zahlen „immensely challenging“ sein kann: in dem ursprünglichen Artikel geht es um Alkoholkonsum in den USA. Trevor Butterworth nimmt diesen Post a.u.s.e.i.n.a.n.d.e.r. und zeigt recht eindeutig, warum es der Wonkblog der Washington Post versäumt hat, Fußnoten zu checken und die Daten richtig zu beschreiben.

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Datenjournalismus im September 2014

Es ist mal wieder soweit. Nach einer längeren Pause geht es hier weiter mit einer aktuellen Auswahl von Links und kommender Termine.

syr
Screenshot aus “Project Syria” von Nonny de la Peña

INTERVIEWS & ARTIKEL

Interessantes Interview mit Sarah Cohen von der New York Times. Sie erzählt, welche Skills man als Datenjournalist unbedingt beherrschen muss, welche Tools man nutzen sollte und auf welche Dinge man erstmal verzichten kann.

Schöner Artikel bei Pro Publica über verschiedene Visualisierungsmöglichkeiten. Waldo wird zum Anti-Helden deklariert und es wird erklärt, wie visuelle Kommunikation („small multiples, sparklines, icons, etc.“) funktioniert und rezipiert wird.

Ein paar Monate her, aber trotzdem noch interessant: Julius Tröger und Sylke Gruhnwald interviewten Scott Klein, “Assistant Managing Editor” und verantwortlich für die Bereiche Datenjournalismus, interaktive Grafiken und News-Applikationen bei ProPublica. Ganz spannend sind hier vor allem Klein’s Tipps zum Aufbau eines Datenteams:

Man sollte versuchen, Personen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten und Talenten einzustellen – zwei der folgenden drei Dinge sollten sie mindestens mitbringen: inhaltliche Urteilsfähigkeit, ein Gespür für Design und Kenntnisse im Bereich Programmierung. Die Journalistische Urteilsfähigkeit ist die wichtigste und das schwierigste dabei.

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Testat* der Ratlosigkeit – Anmerkungen zu Blumencron

Unlängst forderte Mathias Müller von Blumencron in der FAZ:  “Schafft den Online-journalismus ab”. Die unselige Debatte Print-vs-Online sei ein für allemal zu beenden. Vielmehr, so der Ex-Chefredakteur von Spiegel Online, solle nur noch darüber debattiert werden was guter Journalismus sei.

Was ist guter Journalismus für Blumencron? “Die exzellente Recherche, der starke Artikel, das ganz besondere Angebot”, dem es gelingt sich in der “neuen Meinungswelt” Gehör zu verschaffen. Mehr sagt er dazu in seinem 18.000 Zeichen-Artikel nicht.

Der ist deshalb bemerkenswert, weil er ein Testat* für die Ratlosigkeit der Branche abgibt. Blumencron, 54,  ist seit gut einem Jahr Chef der Online-FAZ. Er dürfte exemplarisch für so manche in den Führungsriegen deutscher Medienhäuser stehen. Bei ihnen gilt das Internet weiterhin als unheimlicher Ort, in dem sich vollends der “Irrsinn Bahn” brechen könnte. Es herrsche dort ein “kakophonischer Informationslärm”. 

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CartoDB: Überblick und Tutorial

Schon länger wollte ich einen kleinen Lobgesang auf CartoDB anstimmen: Ein großartiges Tool, noch dazu Open Source, das sich eigentlich als Standardkartenwerkzeug in Redaktionen längst etablieren haben sollte. Es gibt die gehostete Version, die neben einem kostenfreien Plan auch kostenpflichtige bereit hält. Alternativ könnte eine Redaktion auch selbst die Software auf einem Server aufsetzen – muss dann aber auch über eigenes Kartenmaterial verfügen (siehe dazu: “Verlage und Redaktionen – Investiert in Karten“)

CartoDB ist ungefähr zwei Generationen jünger als das nunmehr in die Jahre gekommene Fusion Tables, mit dessen Darstellungsoptionen man schnell an Grenzen stößt und dessen Look mittlerweile abgegriffen wirkt (Fusion Tables wird, so heißt es, von einer Person bei Google entwickelt).

Das aus Spanien stammende CartoDB, 2012 gestartet, bietet dagegen mitterweile einen mächtigen Funktionsumfang, darunter auch (meiner Meinung nach) eine recht sinnlose Twittervisualisierung, aber auch Animationen (Torque) entlang einer Zeitleiste. Interessant ist auch das zu CartoDB gehörende Projekt Odyssey für “Storytelling” auf Karten.

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