Übersicht: Datenjournalismus im Februar 2011

Hier im Blog war es einen Monat lang still. Es gab viel zu tun. Vor allem die Arbeit an der Vorratsdatenanwendung war zeitintensiv. Zumindestens im Nachhinein soll hier aufgelistet werden, was im Februar rund um Datenjournalismus Bemerkenswertes los war.

Media companies must become trusted data hubs: Drei Datenjournalisten haben zusammen ein lesenswertes programmatischen Text geschrieben. Er dokumentiert recht gut, was das Geschäftsmodell für Datenjournalismus sein kann. Und vor allem, welche mögliche neue Rollen der „Presse“ und Journalisten zukommen können: Sie sollten in den „Trust market“ investieren, auf ihre Rolle als vertrauensstiftende Institution setzen und zuverlässig Fakten und Informationen liefern. Also nicht weiter beim Wettlauf im „Attention market“ mitmachen, dem ewigen Kampf um Aufmerksamkeit teilnehmen.

Vorratsdaten-App: Etwas Making-off zu der Vorratsdaten-Anwendung findet sich im OpenData Blog auf ZEIT Online. Oben ist ein Mockup aus der Konzeptionsphase zu sehen. Von den ganzen Schaltern/Filtern verabschiedeten wir uns recht bald – sehr aussagekräftig wäre diese Funktionalität nicht gewesen. Übersicht: Datenjournalismus im Februar 2011 weiterlesen

Malte Spitz: "Vorratsdatenspeicherung ist keine Spielerei"

Malte Spitz Bundesvorstand Grüne

Vergangene Woche veröffentlichte ZEIT ONLINE die Verbindungsdaten des Mobiltelefons von Malte Spitz. Das Bundesvorstandsmitglied der Grünen über die Vorgeschichte und die Resonanz auf die Visualisierung der Vorratsdaten.

Herr Spitz, wie kamen Sie zu dem Datensatz?

Malte Spitz: Ich habe im Juli 2009 der Telekom eine erste Auskunftsanfrage geschickt. Ich habe mich dabei auf Paragraph 34 Bundesdatenschutzgesetz bezogen. Ohne Ergebnis, weswegen ich Ende August 2009 Klage einreichte. Das führte zu einem halbjährigen Briefwechsel mit der Telekom und dem Amtsgericht. Im April 2010 sollte es einen Gerichtstermin geben. Einen Monat vorher, Anfang März, stoppte das Bundesverfassungsgericht die Praxis der Vorratsdatenspeicherung. Die bei den Telefonfirmen gespeicherten Daten sollten sofort gelöscht werden. Zusammen mit meinem Rechtsanwalt habe ich der Telekom klargemacht: Ich halte die Klage auf Auskunft aufrecht, und wir wollen diese Daten. Wir haben uns dann außergerichtlich geeinigt.

Kam der Datensatz dann per Post?

Spitz: Es kamen mehrere Umschläge. Einer enthielt eine CD mit den Vorratsdaten. Ein anderer einen Brief mit Informationen, um die Vorratsdaten entschlüsseln zu können. Und dann wurde mir noch ein Musterdatensatz überlassen, wie die Datenspeicherung nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aussieht: Eine Funkzellenspeicherung zur Lokalisierung des Nutzers findet nicht mehr statt – der Standort des Telefoninhabers ist derzeit also nicht mehr im Nachhinein bestimmbar.

Warum enthält Ihr Datensatz nicht die Nummern derjenigen, mit denen Sie in dem halben Jahr kommunizierten?

Spitz: Bei der außergerichtlichen Einigung mit der Telekom sind wir übereingekommen, dass die Daten von Dritten rausgenommen werden. Ich hätte mir gewünscht, dass sie nur die letzten Stellen löschen.

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Prozessjournalismus und Ägypten: Deutschsprachige Onlinemedien enttäuschen (UPDATE)

Was Spiegel-Online und Welt-Online in ihren Live- oder Nachtichtentickern bringen, ist in der Ignoranz des Potentials von Onlinejournalismus mehr als befremdend. Es drückt sich aber auch schon in den Begrifflichkeiten aus: Das Wort Live-Blog wird vermieden. Beide Websites, nach Bild-Online die Meistgelesenen – setzen im Jahr 2011 kein einziges Link auf Quellen außerhalb ihres eigenen Angebots.

Soziale Medienkanäle, wie Twitter, YouTube oder Flickr werden gänzlich ignoriert. Nur klassische Nachrichtenagenturen und etablierte Sender wie die BBC gelten als verlässliche Quellen. Insofern spielt es für die deutschsprachige Onlineberichterstattung eigentlich überhaupt keine Rolle, dass in Ägypten das Internet durch die Regierung abgeschaltet wurde. Dabei ist die Verzahnung klassischer Medien und sozialer für die aktuellen Vorgänge in Nordafrika offensichtlich. Der Politikwissenschafler Philipp Müller schreibt darüber in dem lesenwerten Artikel: „Power-Shift or Media-Shift? The Twitter Revolutions in Iran, Tunisia, and Egypt„.

Die Deutsche Welle, von denen die meisten Leute wahrscheinlich gar nicht wissen, dass es sie (noch) gibt, schafft es, online ein paar Artikel aus Agenturmeldungen zusammenzustellen. Fast 250 Millionen Euro bekommt dieser Sender jährlich aus dem Etat der Bundeskanzleramts, der zwar in bis zu 30 Sprachen zu lesen, zu hören und zu schauen ist – aber offensichtlich mit dem Versuch scheitert, eine Art deutsches BBC zu sein. Die Tagesschau liefert immerhin eine gesonderte Linkliste zum Thema (aus Artikeln heraus wird dort sonst auch nicht verlinkt). ZDF/heute online hat auch nichts Bemerkenswertes zu bieten. Beim „Ereigniskanal“ Phoenix oder dem ZFD infokanal taucht Ägypten als Thema derzeit überhaupt nicht auf.

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Mercedes Bunz – Die Digitalisierung der Gesellschaft

 

digitale denkerin mercedes bunz
Eine digitale Denkerin: Mercedes Bunz (Foto: Thomas Lohr)

Mercedes Bunz bezeichnet sich selbst als „Digital Thinker“. Die Journalistin arbeitete zuletzt beim Guardian in London als Technologieredakteurin. Ein Gespräch über die Rolle von Daten und Suchalgorithmen in unserer Gesellschaft.

Frau Bunz, im Herbst soll Ihr Buch über Algorithmen erscheinen. Worum wird es darin gehen?

Mercedes Bunz: Man sagt ja immer, dass die Digitalisierung so große Auswirkungen hat wie die Industrialisierung. Aber was heißt das? Ich glaube, wenn Industrialisierung und Automatisierung unsere Arbeitsabläufe verändert haben, dann verschieben Digitialisierung und Algorithmen, wie wir mit Wissen umgehen.

Mich interessiert vor allem, dass wir digitalisierten Menschen uns anders orientieren als früher. Dank Google beispielsweise ist eine neue Form von Wahrheit dazugekommen: Nicht mehr der wissenschaftliche Fakt, sondern die ’statistische Wahrheit‘ ist ausschlaggebend. Wenn ich nicht weiß, ob ‚Sauerstoffflasche‘ mit drei F geschrieben wird oder nicht, kann ich es googeln. Für das Ergebnis spielen Algorithmen eine essenzielle Rolle. Es ist nicht mehr nur der authentische Experte, der garantiert, dass etwas wahr ist, sondern eine Vielzahl von Quellen. Erst dank Algorithmen können wir uns über diese eine Übersicht verschaffen.

Was verstehen Sie unter Quelle?

Bunz: Zum Beispiel die Plattform Twitter. Sie ist bei einem Großereignis sehr nützlich. Aus journalistischer Perspektive wird Twitter häufig mit dem Argument angegriffen, es gäbe keine Quelle, man wüsste nicht, was echt ist. Das stimmt, doch dem kann man entgegnen, es ist wie bei einem Chor: Wenn einer falsch singt, ist die Melodie noch immer erkennbar. Twitter ist ein gewaltiger Chor an Stimmen und damit eine Quelle – die man, wie alle Quellen, mit Vorsicht genießen muss.

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Fluglärmkarte BBI: Making of

Abb. 1: Die fertige Fluglärmkarte

[Leider ist die Karte seit dem Relaunch von taz.de nicht erreichbar – Anfragen deswegen bitte an die taz richten – Stand: 22.10.13]

Der Ärger um den Fluglärm, den der neue Flughafen BBI südlich von Berlin mit sich bringen wird, kocht seit vergangen September hoch. Bei der Kontroverse spielen Datensätze eine zentrale Rolle: Einmal Geodaten – die Flugrouten – sowie die Zahlen zu der absehbaren Lärmbelastungen. Während die Routen recht einfach auf einer Karte darstellbar sind, ist Lärm schwerer zu visualisieren. Was als laut wahrgenommen wird, ist bis zu einem gewissen Grad auch subjektiv. Den einen droht tatsächlich – anderen vermeintlich – eine Beeinträchtigung der Lebensqualität durch den neuen Fughafen. So lässt das Thema die emotionalen Wellen hochschlagen.

Vor diesem Hintergrund war die Idee, den zu erwartenden Fluglärm  faktenbasiert in einen verständlichen Zusammenhang zu setzen. Das „Mapping“ der Daten auf ihren Ort, sprich die Kartendarstellung, dürfte – so war unsere Hoffnung – recht abstrakte Zahlenwerte in Tabellen verständlicher machen. Für den Kunden Taz, der die Anwendung schließlich in sein Onlineauftritt integrierte, waren zwei Aspekte interessant: Das Thema würde mindestens noch ein Jahr aktuell sein, da die Planung der Routen durch die Deutsche Flugsicherung (DFS) nicht abgeschlossen war. Und nicht zuletzt dürfte es auch im Landtagswahlkampf Berlins eine Rolle spielen. Insofern war es essentiell, dass die Karte updatebar ist, also neue Flugroutenentwürfe/-pläne sowie Lärmstudien integriert werden können.

Darüber hinaus dürfte die Anwendung als „Linkbait“ dienen: Die entsprechende Website dürfte viel verlinkt werden und Besucher auf die Seite bringen, die sonst die Seiten der Zeitungen nicht besuchen. Auf dieser Überlegung beruht auch das Feature, einige Artikel der Zeitung zum Thema mit unmittelbaren Ortsbezug über ein Icon in der Karte zugänglich zu machen.

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Datenjournalismus und die Zukunft der Berichterstattung

Innerhalb eines halben Jahres hat sich das vormals exotische Thema Datenjournalismus zu einem ernstzunehmenden Genre gemausert. Es ist zwar weiterhin eine spezielle Nische, die sich zwischen Infografik und Multimedia-Storytelling behaupten muss. Aber 2011 dürfte deutlich werden, dass diese Nische ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für Onlinejournalismus werden kann. Auch in dem Zusammenhang sollten Zeitungsverlage und Medienhäuser endlich aktiv für Netzneutralität, Informationsfreiheit und OpenData eintreten:

Klickstrecken, „Bewegtbild“, Podcasts und so weiter sind nur Remixe althergebrachter Medienformate. Datenjournalismus dagegen setzt auf Datenbanken und Interaktivität, die nur im Browser oder einer App funktionieren können. Er bohrt die Möglichkeiten auf, die über den Rahmen herkömmlicher Infografiken hinausweisen: data-driven journalism ist nicht nur Recherche sondern auch Veröffentlichungsformat; es kann Lesern Recherche-Umgebungen bieten, die den Einstieg in große Datensätze ermöglichen und diese dabei gleichzeitig in den Kontext klassischen Journalismus‘ setzen: Berichterstattung, Hintergrund, Analyse, Reportage.

Datenjournalismus grenzt sich vom althergebrachten CAR (computer-assisted reporting) ab, das rein auf Seiten der Recherche passiert. Letztlich meint Datenjournalismus ja immer auch die Bereitstellung der Rohdaten, bestenfalls im Sinne von OpenData in offenen maschinenlesbaren Formaten.

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Bart van Leeuwen: Open Data bei der Feuerwehr in Amsterdam

 

Open Data Feuerwehr Karte
Ausschnitt aus der Einsatzkarte: Das Symbol rechts zeigt den Brandort

Bart van Leeuwen ist seit fünfzehn Jahren Feuerwehrmann in den Niederlanden. Aber er ist auch Programmierer und beschäftigt sich seit Jahren mit Open-Source-Software und mit dem semantischen Web. In Interview spricht van Leeuwen über den Nutzen von Open Data für Rettungskräfte und das Informationssystem „RESC.info„. Das entwickelt er für die Feuerwehr zusammen mit der Gruppe netlabs.org. Obwohl die Leitung der Amsterdamer Feuerwehr kein Interesse zeigt, setzen mittlerweile acht Feuerwehrstationen die Software ein.

Herr van Leeuwen, wie kamen Sie dazu, eine Kartenanwendung für die Amsterdamer Feuerwehr zu entwickeln?

Bart van Leeuwen: Auf der Fahrt zu einem Einsatzort geht es in den wenigen Minuten oft hektisch hinzu. Wir müssen im Fahrzeug mit Funkgeräten, Handys und dem Navigationsgerät hantieren. Aber während über unseren Köpfen die Sirene mit hundertzwanzig Dezibel kreischt, sind beispielsweise die Richtungsanweisungen vom Navi nicht zu hören. Und wir brauchen bereits bevor wie losfahren exakte Angaben über den Ort, zu dem wir müssen.

Einer meiner Kollegen wusste, dass ich programmiere. Er fragte mich vor etwa zwei Jahren, ob ich nicht eine Lösung hätte.

Wie sind sie das Problem dann angegangen?

van Leeuwen: Selbstverständlich habe ich erst einmal versucht, den offiziellen Weg zu gehen und teilte den entsprechenden Stellen mit: Wir brauchen etwas anderes. Nichts passierte. Und so begann ich, die Kartensoftware zu schreiben.

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Interview with Jonathan Gray: OpenData in the EU

A short while  ago I sent some questions about the recent Eurostat Hackday to Jonathan Gray (@jwyg). He ist the Community Manager of the Open Knowledge Foundation. „Please provide some short answers“, I wrote, „maybe 2 or 3 sentences“. That didn’t work out so well – Jonathan wrote back:“ As the saying goes, ‚if I had more time I would have written a shorter letter‘.“ Nevertheless he’s painting a thoughtful picture about OpenData in the EU and its economical impact in his answers. So it would have been a waste to publish just a translated shorter version in the German OpenData Blog over at zeit.de.

„Useful and interesting things”  could be done with statistical data of the EU – that’s been said at the Eurostat Hackday website. What kind of things?

Jonathan Gray: The Eurostat datasets contain an enormous amount of information about EU member states – from tonnes of fish produced to total length of railway lines. A lot of work has gone into harmonising and publishing the data, which is gathered from statistics departments all over Europe. However for the ordinary citizen it may not be fantastically easy to get stuck into the data to start to understand what it means. Luckily the data is basically ‚open‘ in that anyone can reuse it for any purpose as long as they attribute the source. This enables other people to do interesting things with it.

The Eurostat Hackday is all about making things which give people interesting and meaningful ‚hooks‘ into the Eurostat data, whether this is a simple website with information presented in ordinary language, graphics for print, or all singing all dancing interactive web services which visually represent the data or allow people to ask questions of it.

Much of the data contained in Eurostat is absolutely fundamental to understanding current EU policy-making. For example, one of the things some of us put the 2020 energy reduction targets into the context of past demand and supply. We want to make it easier for citizens, decision makers, NGOs, researchers and others to understand what these targets mean, how difficult they will be to achieve, and how whether we are currently on track. There were also people focusing on migration data, and lots of other things.

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Jonathan Gray – EuroStat Hackday


EU Energy Consumption Member states
Beim Hackday entstand u.a. eine Infografik über den Energieverbrauch in der EU (Link unten)

Jonathan Gray ist eine der treibenden Kräfte in der Open Knowledge Foundation, die in mehreren europäischen Ländern vertreten ist. Im Interview spricht der Philosophiestudent über die Idee des gestrigen Eurostat Hackdays und über das Potenzial offener Daten.

Herr Gray, in der Ankündigung zum Eurostat Hackday war die Rede von „nützlichen und interessanten Dingen“, die mit den statistischen Informationen angefangen werden könnten. Was lässt sich darunter verstehen?

Jonathan Gray: Die Datensätze von Eurostat beinhalten enorm viele Information über die EU-Mitgliedsstaaten – von der Menge Fische, die gefangen werden, bis hin zu der Länge aller Bahnstrecken. Viel Arbeit wurde darauf verwendet, diese Daten der Statistikämter aus ganz Europa vergleichbar zu machen. Für den Normalbürger ist es aber alles andere als einfach, einen Zugang zu den Daten zu finden und sich damit zu beschäftigen. Glücklicherweise sind die Datensätze mehr oder minder „offen“ – jeder kann sie weiternutzen für jeden Zweck, solange die Quelle angegeben wird.

Insofern drehte sich der Eurostat Hackday darum, Dinge anzustellen, die Leuten interessante Einstiegspunkte in eben diese Informationen bieten – sei es Informationen in verständlicher Sprache aufzubereiten, seien es Grafiken oder interaktive Webservices, der Daten nicht nur visuell abbilden, sondern auch erlauben, Fragen zu stellen.

Viele der Daten von Eurostat sind notwendig, um die aktuelle Politik der EU zu verstehen. Beispielsweise haben wir gestern die Energiesparvorgaben für 2020 in den Zusammenhang von bisheriger Nachfrage und Angebot gestellt. Andere haben sich auf Migrationsdaten konzentriert. Jonathan Gray – EuroStat Hackday weiterlesen

Nach Wikileaks: Whisteblowing als etablierte Methode (Update)

Popstar: Standbild aus einem Musikvideo - Link unten

Die US-Regierung ist in der Klemme und reagiert alles andere als souverän: Einerseits propagiert sie das Diktum des „Open Government“ und hat einen Datenkatalog für OpenData gestartet. Doch im Umgang mit Wikileaks (und nicht den Medienhäusern, die das Material von der Organisation annahmen) reagiert sie andererseits im kompletten Widerspruch dazu. Dabei stellt sich die Frage, ob Wikileaks eine Form von OpenGovernment ist.

Tatsächlich wäre es seitens der USA angebracht gewesen, das Leak sportlicher zu nehmen und diejenigen, die zum Mord an Julian Assange aufrufen, in ihre Schranken zu verweisen. Und dann eben dafür zu sorgen, sensible politische Kommunikation zukünftig sicherer zu organisieren.

Dem entgegen tut die US-Regierung das Dümmste, was sie tun kann: Sie versucht eines der Leuchtturmprojekte der freien Meinungsäußerung in die Knie zu zwingen. Und scheint das so ahnungslos anzugehen, wie ein Abmahnanwalt, der keine Schimmer davon hat, zu welchem Reputationsverlust das für den Klienten führen kann.

Und so kam es, das in kürzester Zeit jeder Armchair-Activist seine Tastatur und Maus in den Dienst von Wikileaks stellt – so sind beispielsweise weltweit die Piratenparteien auf den Zug aufgesprungen: Hunderte gespiegelte Instanzen von Wikileaks entstanden in wenigen Tagen. Auf Seiten der US-Regierung hat man offenbar unterschätz, dass Wikileaks nicht zuletzt deswegen so gut funktioniert, weil es ein paar sehr fähige Leute an Bord hat, die etwas von Netzwerktechnik und Servern verstehen. Und dass die Macher der Plattform äußerst gut mit den diversen Hackern und Geeks vernetzt sind, die im kleinen und großen schon lange das Projekt unterstützen.

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