Datenjournalismus im September & Oktober 2013

Eine Auswahl von Links, Materialien und Tools

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In einer Alltagsszene in einem Dorf markierte eine Schweizer Versicherung 140 Vorschriften und Gesetze (Link – pdf). Die Berner Zeitung hat daraus eine interaktive Variante gemacht.

Ein Gespräch: Making Sense of Science Infographics beim National Public Radio NPR.

Jedes Rezept ist ein Datensatz: Die Vielfalt an Zutaten und Zubereitungsmöglichkeiten in der Küche ergeben unendlich viele Kombinatsmöglichkeit. Diese interaktive Grafik von Jan Willem Tulp zeigt die Verwandschaft von Geschmäckern. Bei Wired finden sich der Beitrag: 25 Amazing Food Infographics, Drawn From 49,733 Recipes.

Sehr empfehlenswert: Hier geht es zum “Geojournalism-Handbook”.

Ein langes Interview mit Sebastian Mondial, der einen Großteil der Datenarbeit für die Offshore Leaks erledigte, findet sich beim Medienradio/Küchenstudio.

An der Unversität im niederländischen Tilburg wurde das “Data J Lab” gegründet.

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Pi mal Daumen: Datenjournalismus zur Sexarbeit in Deutschland bei Welt Online

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Die “blaue Gruppe” bei Springer, die nach der Schmuckfarbe der Welt benannt ist, will eigentlich wenig mit der “roten Gruppe” der Bild zu tun haben. Doch die Überschrift “Augsburg misst die größte Hurendichte Deutschlands” würde man eher in der Boulevardabteilung erwarten. Doch lautet so der Titel eines Textes bei Welt Online vom 3.11.13, der sich unter Einsatz von Datenvisualisierungen dem Thema Sexarbeit in Deutschland widmet. Er ist wohl eines der Ergebnisse der dreijährigen Recherche des Welt-Investigativteams zu Sexarbeit und Menschenhandel, die in einem Video am Ende des Artikels erwähnt wird.

Im Kern war die Idee wohl, dass man bei Polizeien und Verwaltungen aller Städte über 100.000 Einwohner in Deutschland nach der Anzahl (aber nicht Geschlecht) der Sexarbeitenden in der jeweiligen Stadt fragen wollte. Doch: “Von den 80 größten deutschen Städten sieht sich ein Viertel nicht in der Lage, die Zahl der vor Ort tätigen Prostituierten auch nur ungefähr zu beziffern.” Genannt werden nur drei Städte (Augsburg, München, Stuttgart) mit “präzisen Angaben”, von zwei andere Städten (Frankfurt, Berlin) gab es “Hochrechnungen”; Hamburg und Köln lieferten “grobe Schätzungen”. Welcherlei Qualität die verwendeten Zahlen der anderen gut 50 Städte sind, wird nicht dokumentiert (UPDATE: einer der Autoren merkt an, dass bei der Visualisierung unter dem Punkt “Diagramm” per Mouseover Zusatzinfo pro Stadt zu finden sind).

Mit den Zahlen (hier als Tabelle), die alle als “Schätzungen” deklariert werden, wird auf einer Karte Effekthascherei betrieben: Mittels Kreise wird gezeigt, wo es pro 100.000 Einwohner am meisten Sexarbeitende geben soll. Hierbei wird ein klassischer Fehler gemacht: Der Kreisinhalt für Städte mit 150 bis 180 Sexarbeitende pro 100.000 EW ist knapp zehnmal geringer wie der  ein Zehntel von dem für Städte mit 220 bis 250 – bei also nicht einmal mehr als halb so großen Werten. Pi mal Daumen: Datenjournalismus zur Sexarbeit in Deutschland bei Welt Online weiterlesen