Der Auftrag der OpenData Bewegung

Die OpenData Bewegung ist weiß, männlich und über 30 Jahre alt. So der erste Eindruck von dem OpenDataGovernment Camp, das heute begann und morgen weiter in London stattfindet. Ausgerichtet wird die Tagung von der ursprünglich britischen OpenKnowledge Foundation, die seit knapp einem Jahr auch einen deutschen Zweig unterhält.

Eine der Eröffnungsreden hielt David Eaves: Der Kanadier berät unter anderem den Bürgermeister von Toronto in der Herangehensweise, die Datensätze der Stadt zu öffen. Eaves beschreibt den Sinn von OpenData mit dem Bild der Einrichtung von Bibliotheken. Die seien im 19. Jahrhundert von staatswegen nicht eingeführt worden, um den lesenden Bürgern etwas zu bieten, sondern um ihnen zu helfen, Leser zu werden. “Heute bauen wir OpenData Portale – nicht weil wir politisch befähigte Bürger haben, sondern wir stellen sie zur Verfügung, damit Bürger in der Lage sind, Politik zu verstehen.” Das sei der Auftrag der OpenData Bewegung, so Eaves.

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Ein Jahr OpenData Network

Als vor einem Jahr der OpenData Network e.V. in Berlin gegründet wurde, war eine seltsame Veranstaltung zu erleben: Vertreter/innen aller damals soeben in den Bundestag gewählten Parteien fanden sich auf der Gründungsversammlung ein, die mit etwa 30 Besuchern erstaunlich voll war. Wir, die das Treffen vorbereitet hatten, rechneten mit einer Handvoll Leute und sicher nicht mit Bundestagsabgeordneten oder deren Mitarbeitern – Thorsten Schäfer-Gümbler, SPD-Vorsitzender in Hessen, ließ sich sogar durch einen Vertreter auf die Gründungsmitgliederliste schreiben.

Von CSU bis Linkspartei saß man nun also da; außer in parlamentarischen Zwangs-Zusammenhängen eine wahrscheinlich eher ungewöhnliche Konstellation. Anzugträger und Kostumträgerinnen zwängten sich neben dem mehr als casual gekleideten Hacker – auch diverse Aktivisten aus dem Piratenparteilager, Leute aus dem Non-Profit/NGO-Sektor sowie einige Unternehmer hatten am 21.10.2009 den Weg in den Newthinking Store in der Tucholskystraße gefunden.

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Definitionen: OpenData, OpenGovernment, Gov2.0 und Co.

OpenData ist derzeit ein angesagtes Thema und gern wird dabei mit dem Begriff oder verwandten Bezeichnungen hantiert – wobei es oft kreuz und quer durcheinander geht. Im Folgenden einige Definitionen und Erläuterungen:
Daten (data – Latein, Plural von Datum) meint gruppierte Informationen; wörtliche Bedeutung: etwas Gegebenes, Gegebenheit.
Open - als Präfix, Vorsilbe meint es im Internetbereich Offenheit und Zugänglichkeit – bekanntestes Beispiel ist sicherlich das Begriffspaar OpenSource. Mit dem Open wird signalisiert, dass es auch um die Weiternutzung der Information geht; also kein klassisches Copyright damit verbunden ist, sondern etwa ein Lizenzmodell wie Creative Commons, das explizit Nutzungsrechte einräumt. Bezogen auf Daten geht es mithin um Informationen, auf die keine Person oder Firma alleinigen Anspruch erhebt (geistiges Eigentum). In den USA etwa sind die meisten staatlich erhobenen Informationen auf Bundesebene – “work of the United States government” – Teil der “public domain”, Teil der öffentlichen Sphäre. (Deswegen unterliegen bspw. die Bilder der Raumfahrtbehörde NASA keinem Copyright.) Weiterlesen

Das Gesellschaftswerkzeug

Das Internet wird auch in Deutschland erwachsen: Ein Verbund von Politikanwendungen wird die Bürger in naher Zukunft ermächtigen, wieder selbst Entscheidungen zu treffen

Illustration von Der Freitag

Einöde. So lässt sich jener Teil der Internetlandschaft beschreiben, der von der Bundesregierung bestellt wird. So oft auch von E-Demokratie die Rede ist, so wenig wird von den Bundesministerien dafür getan. Anders in den USA und Großbritannien: Dort werden OpenGovernment-Initiativen vorangetrieben, wird Regierungs- und Verwaltungshandeln transparenter, soll die Teilhabe und Mitsprache der Bürger verbessert werden. Einiges daran ist kritikwürdig – es drückt aber eine realistische Beurteilung der Potenziale des Internets für gesellschaftliche Prozesse aus.

Dagegen zeugen etwa die in der vergangenen Woche verkündeten 14 Thesen des Bundesinnenministers zur Netzpolitik von großem Nachholbedarf. Zwar herrschte Erleichterung darüber, dass Thomas de Maizière sich überhaupt konstruktiv mit dem Thema auseinandersetzen will. Doch hatten die vorausgehenden „netzpolitischen Dialoge“ gezeigt, dass der CDU-Politiker den Blick nicht über den Tellerrand richtet. Dass die US-Regierung unter data.gov zahlreiche Datensätze aus allen Ressorts veröffentlicht, war dem Minister nach eigenem Bekunden sogar unbekannt.

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Hackday: Öffnet euch oder ihr werdet geöffnet

Wer bekommt die meisten Agrarsubventionen, wo gehen eigentlich die Gelder des Konjunkturprogramms hin und wer sagt was im Bundestag? Wer sich für solche Fragen interessiert, konnte einige Antworten auf dem ersten deutschen Hackday in Berlin finden. Auf der Veranstaltung, die sich am vergangenen Wochenende unmittelbar an die Netzkonferenz re:publica anschloss, wurde sich zwei Tage lang über Datensätze aus Politik und Verwaltung hergemacht. Unter den 40 Teilnehmern, unter anderem auch aus England und Dänemark, fanden sich nur zwei Frauen.

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