Tutorial: Grenzen, Gebiete und Daten mit Fusion Tables kartieren

Bevölkerungsdichte in Schleswig Holstein nach Landkreisen (Quelle: Stat. Bundesamt)

Die oben stehende interaktive Karte mit Google Fusion Tables zu erzeugen, ist nicht schwer. Wer noch nie mit Fusion Tables (FT) gearbeitet hat, der lese sich bitte aber zuerst das Tutorial zum automatisierten Eintragen von Adressen auf eine Karten mit FT hier im Blog durch, um einige grundsätzlichen Sachen zu erfahren.

Neben Markern kann das Tool auch Gebiete sowie Grenzen darstellen und diese abhängigen von Werten einfärben. Dafür braucht es erst einmal die Gebiete, etwa Bundesländergrenzen als KML-Dateien (Keyhole Markup Language – aus dem virtuellen Globus “Keyhole” wurde 2004 Google Earth).

Beim Bundesamt für Kartographie und Geodäsie gibt es ein Geodatenzentrum (Geodäsie = Wissenschaft von der Ausmessung und Abbildung der Erdoberfläche). Die Kreisgrenzen (und Staatsgebiet, Bundesländer sowie Regierungsbezirke der BRD) finden sich dort zum Download. Zur Nutzung heißt es: “Die nachfolgenden Daten dürfen für private und firmeninterne Zwecke entgeltfrei genutzt werden. Darüber hinaus sind Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung mit nachfolgender Quellenangabe ohne Einschränkungen gestattet, sofern sie unentgeltlich erfolgen.

Weiterlesen

Big Data im Sport – im Kino und bei Zeit Online

Anfang Februar kommt der Film “Moneyball” in die deutschen Kinos. Eine Verfilmung des gleichnamigen Buches mit dem Untertitel “The art of winning an unfair game”. Es erschien im Jahr 2003. Darin geht um einen Baseballverein, dem es gelingt, durch Datenanalyse der Spielerstatistiken trotz geringen Budgets eine sehr erfolgreiche Mannschaft aufzustellen. Diese Herangehensweise prägte einen eigenen Begriff: Sabermetrics (SABR- Society for American Baseball Research).

Nun hat Zeit Online vor einigen Tagen eine Datengeschichte rund um die Budgets der Fußball-Bundesligavereine gebracht. Sie runtergebrochen auf Kosten pro Tor, Pass usw.. Eine interessante Idee und technisch gut umgesetzt. Vorbildhaft sind die dargestellten Daten auch als Google Doc veröffentlicht. Update: Auch wird die App nach jedem Spieltag aktualisiert, siehe Hinweis von @venohr.

Ein paar Sachen stören allerdings. Das Video oben rechts lenkt von der Anwendung ab und kann nicht Ersatz für eine fehlende redaktionelle Einbettung sein: Artikel, die den Kontext darstellen, Geschichten erzählen, Hintergrund zum Thema bieten. So fehlt etwa eine wesentliche Angabe – die Quelle oder Datengrundlage für die Investitionssummen der Vereine.

Weiterlesen

Datenjournalismus: Bilanz 2011 und Ausblick

In Sachen Datenjournalismus war im deutschsprachigen Raum im Jahr 2011 einiges los. Manche, wie Medienjournalist Christian Jakubetz, meinen dennoch, dass der Hype um Datenjournalismus bereits zurückgehe und das Thema in zwei Jahren vom Tisch wäre.

Eine Einschätzung gegen die einiges spricht. Im Frühjahr 2012 etwa wird es eine Recherche und Datenjournalismus-Fachtagung in Hamburg geben. Das in Berlin bereits sechs Mal statt gefundene Datenjournalismus-Treffen wird im neuen Jahr am 25. Januar in anderer Form weitergehen: Mehr praxisorientiert und von mehr Leuten in der Vorbereitung getragen (die offene Mailingliste dazu findet sich hier). Und wie in diesem Jahr wird es auf der Netzkonferenz re:publica im kommenden Mai auch um Datenjournalismus und Open Data gehen.

Steigendes Interesse, auch jenseits des Journalismus

Aus Sicht meiner Warte stelle ich fest, dass die Anfragen nach Referenten- und Trainingstätigkeiten rund um das Thema stetig zunimmt; ebenso die Wünsche danach, als Interviewpartner zur Verfügung zu stehen – nicht zuletzt für Studierende, die ihre Abschlussarbeit zu dem Thema schreiben (ich schätze, dass zur Zeit mindestens fünf solcher Arbeiten im deutschsprachigen Raum geschrieben werden/ wurden – z.B. eine wie diese hier (pdf)). Weiterlesen

13 Open Data Interviews

Bis August diesen Jahres (2011) habe ich zehn Monate lang am Stück das Open Data Blog auf zeit.de geschrieben.

Hier veröffentliche ich nun die meisten Interviews, die ich für dieses Blog geführt habe, unter einer Creative Commons-Lizenz (CC-by). Erschienen sind sie zwischen Oktober 2010 und September 2011 (zum Abschluss hat mein Nachfolger Markus Heidmeier ein Interview mit mir geführt). Die 13 Interviews werden im Folgenden chronologisch zurückgehend vom aktuellsten zum ältesten hin aufgelistet (Update 11.01.2012):

Weiterlesen

Zukunft des Journalismus: Reformation statt Revolution

In den USA wird leidenschaftlich über die Zukunft des Journalismus debattiert. Worum geht es dabei eigentlich: Technologien, Geschäftsmodelle oder Aufgaben von Journalisten in der Demokratie?

Clay Shirky ist ein Apokalyptiker. Der Medienwissenschaftler aus den USA schrieb 2009 in seinem Text “Newspapers and Thinking the Unthinkable” ketzerisch: „Die Gesellschaft braucht keine Zeitungen. Was wir brauchen ist Journalismus.“ Im gleichen Atemzug kündigte er ein jahrzehntelanges Chaos an: Die ungestörte Symbiose zwischen Zeitungen, Werbetreibenden und Lesern wäre nach über hundert Jahren endgültig vorbei. Es sei an der Zeit, im Medienhandwerk zu experimentieren. Doch, so warnte Shirky, viele der Versuche seien zum Scheitern verdammt. Aber einige Experimente würden schließlich das hervorbringen, was das Nachrichtenwesen der Zukunft sein werde.

Propheten sind manchen ein Dorn im Auge. Zum Beispiel Dean Starkman, der vor kurzem einen langen Text verfasste, im dem er die von ihm als “News Gurus” Gebrandmarkten kritisiert (Update 29.12.11: Bei Vocer findet sich eine deutsche Übersetzung des Textes). Shirky macht er zu einem der Protagonisten eines “Future-of-News“ (FON) Konsenses. Jeff Jarvis, der auch in Deutschland einen Namen hat, zählt für Starkman ebenfalls dazu (Jarvis wird auch als “Cyber-Utopist” bezeichnet; sein neues Buch wurde neulich von Evgeny Mozorov brutal verrissen).

Weiterlesen

NDR Medienmagazin ZAPP – Datenjournalismus Interviews

Gestern, am 16.11.2011, lief beim NDR Medienmagazin ZAPP der Beitrag “Neue Recherchewege – Datenjournalismus”.

Hier die Langfassung der Videos, die ausschnittsweise im Film oben zu sehen sind; es gibt alternativ auch nur die Audiospur als mp3-Datei, für diejenigen, die nicht an den Talking Heads interessiert sind. Videos und Audiofiles sind vom NDR unter einer CC-Lizenz unter den Bedingungen Namensnennung, nichtkommerziell und nichtabwandeln (by:nc:nd) freigegeben.

Weiterlesen

Condition One: Immersion, die funktioniert

Seit ein paar Tage steht die iPad-Anwendung Condition One zum Download im iTunes-Store. Und zeigt, wie “Bewegtbild” gepaart mit dem Bewegungssensor des Tablets Reportagen auf ein neues Level heben kann.

Der Trick ist eigentlich simpel. Die Reporter nehmen ihre Umgebung hochgradig weitwinkelig auf und erfassen nahezu ein 180 Grad Panorama. Der Betrachter kann sich nun entweder mit dem Finger oder per Bewegungssensor im Videobild umschauen. Besonders letzteres funktioniert großartig, weil die Immersion, die Vereinnahmung verstärkt wird. Etwa wenn man lybischen Rebellen dabei zuschaut, wie sie ihre Waffen reinigen. Und eben mal den Kopf “heben” kann, um sich anzuschauen wie weiter hinter andere an einem Pickup-Fahrzeug rumwerkeln. Ganz zu schweigen von Gefechtssituationen

Die Anwendung ist kostenlos zu nutzen; jüngst ist eine Aufnahme von den Occupy-Wallstreet-Protesten in New York dazu gekommen. Die Reportagen sind bislang kostenfrei, aber offensichtlich können in der Anwendung später auch kostenpflichtige Inhalte angeboten werden. Die Firma, hinter der der Kriegsfotograf und -filmemacher Danfung Dennis steckt, sucht Medienpartner, die ihre Technologie nutzen. Ein Nachteil ist, dass die Filmdateien recht groß sind. Ein knapp 10-minütiges Condition-One-Video ist gut zwei Gigabyte groß, weil es wesentlich mehr Bildmaterial mitliefert als ein normaler Videofilm.

Ein verwandetes Konzept bietet übrigens die Firma ImmersiveMedia an. Sie erlaubt es dem Betrachter – ähnlich dem StreetView von GoogleMaps – sich in einer Videoaufnahme komplett frei in 360 Grad im Browser zu bewegen. Beispielsweise bei einer Autofahrt durch einen Teil des zerstörten Haiti kurz nach dem Erdbeben im Januar 2010.

Warum ein Apps4-Wettbewerb Zeitverschwendung ist

… Deutschland braucht keine Apps4-Wettbewerbe, sondern ein Programm zur langfristigen Förderung einer Open-Data-Infrastruktur. Und nein, die Veranstaltung unter dem Schirm des Innenministers ist nicht der erste Schritt in diese Richtung, sondern eine Beitrag zur Verschwendung von Zeit und Ressourcen. Ein Weg, der vielerorts schon ohne Erfolg beschritten worden ist, den muss man nicht auch noch einschlagen. Dem Aufbau einer demokratischen und transparenten Dateninfrastruktur kommt man mit der punktuellen Förderung von ein bisschen Spielzeug kaum näher.

Mehr dazu in meinem Text auf freitag.de

Adrian Pohl: Offene Bibliotheksdaten

Adrian Pohl arbeitet seit 2008 im Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrhein-Westfalen (hbz). Seit Juni 2010 ist er Koordinator der Arbeitsgruppe der Open Knowledge Foundation zu Open Bibliographic Data. Im Interview berichtet Pohl über die Zusammenarbeit mit anderen Aktiven aus Wissenschaft und Bibliothekswelt. Ihr Ziel: der Aufbau einer Infrastruktur für offene bibliographische Daten.

Herr Pohl, worum geht es bei Open Bibliographic Data (OBD)?

Adrian Pohl: Wir orientieren uns an der Open-Access-Bewegung. Deren Idee wird bereits weitgehend in der Bibliothekswelt unterstützt: Ergebnisse öffentlich finanzierter Wissenschaft sollen auch jedem öffentlich zugänglich sein. Bibliotheken sind ebenfalls meist aus öffentlichen Geldern finanziert. Deshalb sollten die von ihnen produzierten Daten auch offen zugänglich und wiederverwendbar sein. Mit den “Prinzipen zu offenen bibliographischen Daten” haben wir in der Open Knowledge Foundation klare Anforderungen für die Freigabe solcher Daten formuliert, insbesondere im Hinblick auf die Wahl der Lizenz. Bibliotheksdaten können vielen von Nutzen sein.

Wofür zum Beispiel?

Pohl: Sammlungen bibliographischer Daten können als eine Landkarte verstanden werden, die uns Orientierung gibt in der Landschaft unserer literarischen, wissenschaftlichen oder künstlerischen Erzeugnisse.

So können die Daten etwa in der Forschung genutzt werden. Für Historiker beispielsweise könnte die Frage interessant sein, in welchem Jahrhundert zu bestimmten Zeiten wo wichtige Publikationsorte waren. Mit automatisierten Abfragen offener Daten aus Bibliothekskatalogen ließe sich zügig eine Übersicht über die meistgenutzten Publikationsstandorte erstellen. Das ginge weit über das hinaus, was mit normalen Rechercheoptionen möglich ist.

Ein anderes Beispiel: Bibliotheksdaten werden bereits für Anwendungen genutzt, die den urheberrechtlichen Status eines Werkes berechnen, ob es geschützt oder gemeinfrei ist. Mehr freie Daten könnten diese Dienste enorm verbessern. Es lassen sich unzählige weitere Anwendungen denken.

Weiterlesen